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Maus, Ratte und Mensch - wie gleich sind sie?
Warum dauert es so lange, bis aus Forschung Medizin wird bzw. bis
eine Entwicklung marktreif wird?
Diese Frage beantwortet Prof. Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité Berlin am 11.10.09 um 23.30 Uhr in der Sendung „Deutsche Welle – Projekt Zukunft: Das Wissenschaftsmagazin“
wie folgt :
„Das hat sicherlich damit etwas zu tun, dass Grundlagenforschung in der Regel an
Tieren, heute überwiegend an Mäusen oder an Ratten, durchgeführt wird.
Und die Maus und die Ratte sind eben etwas anderes als der Mensch.
Wenn wir im Tierversuch ein Medikament erproben, dann haben wir einen sehr homogenen Patienten. Alle Tiere in diesem Versuch sind ähnliche oder gleiche Tiere. Menschen sind höchst unterschiedlich. Obwohl wir die gleiche Anzahl von Genen haben, etwa 30.000, reagieren wir in einer völlig anderen Weise auf Medikamente oder auf Krankheitserreger, als es die Tiere tun. Und das alles herauszufinden, dauert viele Jahre“.
Der Grundlagenforschung haben wir den stetigen Anstieg der Tierversuchszahlen zu verdanken. Im Jahr 2008 mussten 32 % der Tiere für diese zweckfreie Forschung leiden und sterben. (Zum Vergleich : 19 % wurden für die Arzneimittelforschung, 12,7 % für die Qualitätskontrolle von Produkten und 6,3 % für Giftigkeitsprüfungen “verbraucht”
.
Die mangelhafte Übertragbarkeit wird von den meisten Wissenschaftlern nicht mehr
abgestritten. Dennoch führt die Erkenntnis offenbar nicht zu einem Umdenken, welches Tier und Mensch zugute kommen könnte. Studien der amerikanischen Arzneimittelbehörde (FDA) ergaben, dass 92 % der potenziellen Medikamente, die sich am “Tiermodell” als wirksam erwiesen haben, die klinische Prüfung nicht bestehen - beim Menschen zeigte sich entweder gar keine oder eine unerwünschte Wirkung
Eine noch ungeklärte Fragestellung im medizinischen oder chemischen Bereich kann am lebenden Tier erforscht werden. Hierbei geht es darum, Geschehnisse im lebenden Organismus zu erkennen und ein Grundverständnis darüber zu erhalten. Grundlagenforschung erhebt nicht den Anspruch auf den Menschen übertragbar zu sein.