Affenversuche in Bremen - - - Beschreibung eines Versuchs mit Affen in der Hirnforschung
In der mündlichen Verhandlung des Verwaltungsgerichts Bremen am 28.05.2010 zu den umstrittenen Affenversuchen des Bremer Hirnforschers Prof. Dr. Andreas Kreiter wurde die Gesundheitsbehörde aufgefordert, weitere Gutachten vorzulegen. Das Gericht sieht sich nicht in der Lage, ohne fundierten Sachstand eine Entscheidung zu treffen.
28.05.10
Presseerklärung des Deutschen Tierschutzbundes
Vorläufig kein Ende der Bremer Affenversuche
Nachdem die senatorische Behörde in Bremen die Fortsetzung der Affenversuche von
Prof. Andreas Kreiter aus ethischen Gründen und unter Bezug auf das in der Verfassung festgeschriebene Staatsziel Tierschutz bereits im Jahr 2008 abgelehnt hat, beharrt der Affenhirnforscher weiter auf seinen Tierexperimenten. Er beruft sich dabei auf die Freiheit der Forschung, wonach er sich befugt sieht, ohne Einschränkungen diese langwierigen und qualvollen Versuche an Affenhirnen vorzunehmen.
Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes und Vorsitzende des Bremer Tierschutzvereins, Wolfgang Apel, kann die Entscheidung des Gerichtes nur schwerlich nachvollziehen, da bereits andere Verwaltungsgerichte die behördliche Ablehnung von Tierversuchen bestätigt haben und sich dabei insbesondere auf die geänderte Rechtslage durch die Aufnahme des Tierschutzes in die Verfassung im Jahr 2002 beriefen. „Dieser erneute Aufschub ist zu bedauern. Die Behörde hat umfangreiche und aussagekräftige Gutachten dafür geliefert, dass die Bremer Primatenversuche ethisch nicht vertretbar sind", so Apel.
Der Deutsche Tierschutzbund und der Bremer Tierschutzverein bauen jetzt darauf, dass der Senat der freien Hansestadt Bremen alle notwendigen Mittel einsetzt und weiter gegen diese Tierversuche rechtlich vorgeht und deren Ende betreibt. „Nicht nur die Tierschützer in Bremen - allein hunderttausende Bremer haben sich gegen die Versuche ausgesprochen - sondern auch bundesweit erwarten wir, dass es keinen Freibrief für die Forschung geben darf. Auch Wissenschaftler müssen sich an ethische Prinzipien halten und können nicht den verfassungsmäßig verbrieften Tierschutz weiter in Frage stellen", so Apel.
Abschließend stellt Apel fest, dass die Tierschützer auch weiterhin alles dafür tun werden, solche und andere Tierversuche auf den Prüfstand zu stellen und für deren Abschaffung zu kämpfen.
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Prof. Kreiter war ein Schüler von Prof. Singer.
Bericht über eine bereits Jahrzehnte laufende Forschung.
Max-Planck-Institut in Frankfurt/M - Institut für Hirnforschung und Neurologie unter der Leitung von Prof. Dr. Wolf Singer.
Aus dem Inneren einer Versuchstier-Station
Sept 1997 – Brigitte Jenner – Vorsitzende der Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg berichtet über das Gespräch mit Prof. Singer, die Besichtigung der Versuchstierhaltung und über einen Versuch mit einer Rhesusäffin.
Prof. Singer forscht seit 15 Jahren an der Großhirnrinde von Ratten, Katzen und Primaten. Er hat sich auf das visuelle System und die Zusammenarbeit der einzelnen Neuronen und ihrer Bindungssysteme spezialisiert. Ihn interessiert, was zwischen den einzelnen Stufen vom Sehen über das Entscheiden zum Handeln geschieht, insbesondere im zeitlichen Ablauf. Hinweise auf eine hierarchische Verarbeitung von Reizen hat er bisher kaum gefunden.
Wahrnehmungs- und auch motorische Inhalte werden über viele Areale verteilt und dann zusammengefügt. Ein grobes Raster hat Singer bei seiner Forschung erkannt, doch es treten immer wieder »Überraschungseffekte« in Form von Bindungsproblemen der neuronalen Netze auf, die nicht einzuordnen sind, und deren Entstehen ihn (wörtlich) »neugierig macht«. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die Krankheiten des Menschen wie Epilepsie und Schizophrenie.
Eine weitere für Singer interessante Fragestellung ist: »Warum sterben im Laufe des frühen Lebens eines Menschen die Hälfte seiner Nervenzellen ab - und welche Umstände führen dazu?« Die dazu durchgeführten Versuche an Katzenkindern können wir nicht beschreiben, da sie zum Zeitpunkt unseres Besuches nicht durchgeführt wurden.
Auf die Frage, wann er meine, anwendbare Ergebnisse für den Menschen erforscht zu haben, antwortet Singer mit einem großen Fragezeichen: vielleicht in 10 Jahren oder nie. Hier seien so viele Fragen offen, dass er keine genaue Antwort geben könne. Allerdings wähnt er sich auf dem richtigen Weg und würde es als »Unterlassungsschuld« empfinden, diese Forschung jetzt zu beenden, denn er fühlt sich »der Menschheit gegenüber verpflichtet«, durch seine Forschung zum Verständnis der komplizierten Funktionen der Nervenzellen im Gehirn beizutragen.
Mit anderen Forschergruppen - wie
z.B. der Nachfolgegruppe von
Prof. Grüsser aus Berlin, die ebenfalls das visuelle System erforscht - tauscht Singer sich nicht aus und liest auch nicht deren Publikationen. Er besuche jedoch regelmäßig Kongresse über Hirnforschung und sein Team lese auch medizinische Zeitungen.
Singer sagt, Primaten hätten eine hoch entwickelte Hirntätigkeit und viele Areale davon würden im menschlichen Gehirn wiedergefunden. Die so begründete Wichtigkeit seiner Forschung mit Affen sieht er auch darin bestätigt, dass Primatenversuche weltweit zunehmen und nur Europa »sehr zurücksteht«.
Besichtigung der Versuchstierhaltung
Ratten
Die Ratten werden ohne Vorbehandlung oder Versuche getötet, um Hirnschnitte für In-vitro-Methoden zu erhalten. Die Haltung der Tiere konnten wir nicht besichtigen, da dieser Bereich nicht unter der Leitung von Singer steht.
Katzen
Zur Vorbereitung der Versuche werden die Schädeldecken der Katzen geöffnet und Elektroden und Steckkontakte implantiert. Danach werden die Öffnungen mit Dentalzement verschlossen. Die Vorrichtungen verbleiben dort bis zur Tötung.
80 Prozent der Katzen werden in Narkose (meist über mehrere Tage bis zu einer Woche) gelegt, um durch Reizungen der Neuronen so genannte Ableitungen, d.h. Spannungsverläufe der Hirnzellen, zu messen und zu registrieren. Die Tiere werden nach dem Versuch noch unter Narkose getötet.
Bei 20 Prozent der Katzen wird der Versuch im wachen Zustand durchgeführt. Sie werden in eine kleine Box gesteckt und müssen mit den Pfoten auf Lichtsignale reagieren. Dabei sind sie nicht fixiert. Tierpfleger trainieren die Tiere, indem sie die Pfoten der Katzen bei Aufleuchten auf die Lampe drücken, wonach sie eine Belohnung erhalten. Dieses Training für den teilweise mehrere Jahre dauernden Einsatz einer Katze dauert Monate, ein einzelner Versuch etwa 1 Stunde.
Die genaue Anzahl der vorhandenen Katzen konnte uns niemand sagen. Wir schätzten sie auf etwa 120. Der überwiegende Teil ist (in verschiedenen Gruppen) in etwa 10 Quadratmeter großen Käfigen untergebracht, die durch Klappen zu kleinen Außengehegen führen. Die Käfige sind mit einigen Spielmöglichkeiten und auch Höhlen ausgestattet und haben mehrere Ebenen. Mütter mit ihren Babys oder Kleinkindern leben in
ca. 2 Quadratmeter großen Käfigen. In gleicher Käfiggröße waren auch
ca. 10 am Schädel operierte Tiere in Gruppen von 2 bis 4 Tieren untergebracht.
Die Katzen waren zutraulich und friedlich. Sie werden im Institut selbst gezüchtet.
Primaten
Die Affen werden selbst gezüchtet oder aus dem Deutschen Primatenzentrum Göttingen beschafft. Singer hat auch keine Probleme damit, sie aus dem Ausland (USA oder England) zu importieren.
Die Tiere trainieren einige Monate lang das spätere Verhalten im Versuch, bevor in einer Operation die Messapparatur und Halteplatten in den Schädel implantiert werden. Ein trainierter Affe wird mindestens eineinhalb Jahre im Versuch verwendet und dann zur Untersuchung des Gehirns getötet.
Auch hier konnte uns niemand die genaue Anzahl sagen. Der Bestand wird auf
ca. 35 Rhesusaffen geschätzt. Die meisten Affen leben in Gruppen in Käfigen von
ca. 10 qm mit Außengehege sowie Schaukeln und Tauen zum Spielen.
Zur Beschäftigung müssen sie sich ihr Futter aus einem besonderen Behälter (genannt »Puzzle«) oder auch einem Besen heraussuchen. Im Versuch befindliche Tiere werden zu zweit oder auch einzeln in
ca. 1 Kubikmeter großen Käfigen gehalten. Sie können die anderen Affen sehen und mit ihnen durch Gesten oder Rufe kommunizieren. Sie werden getrennt stundenweise aus den Einzelkäfigen gelassen und können dabei auch ein abgetrenntes Außengehege betreten. Affen aus dem Versuch - mit operiertem Schädel - sind kaum wieder in die Gruppen zurückzusetzen, weil sie von den anderen meist abgelehnt
bzw. angegriffen werden. Um Verletzungen zu vermeiden, gehen daher immer mehr Versuchsanstalten zur Einzelhaltung von Affen über.
Die Affen machten keinen gestörten Eindruck. Das Futter war (zumindest an diesem Tag) abwechslungsreich mit Bananen, anderem Obst und Mais. Für die Pflege der Katzen und Affen sind im Tageswechseldienst 8 Tierpfleger zuständig. Nachts bleiben die Tiere unbetreut.
Beschreibung der beiden im Einsatz befindlichen Primatenstühle
Der Körper des Tieres sitzt jeweils fest im Stuhl. Arme, Beine und der Schwanz sind frei beweglich, die Exkremente werden in einer Wanne aufgefangen. Der Kopf ragt aus einer verschiebbaren Plexiglasabdeckung, so dass die Affen ihn nicht anfassen können. Die Stühle unterscheiden sich nur durch die Haltung des Kopfes. Ein Stuhl hat einen Bolzen, der in eine operativ implantierte Vorrichtung im Schädel des Affen geschraubt wird und dadurch den Kopf fixiert. Bei der zweiten Version ist der Kopf frei beweglich.
Zum Trainieren der Tiere ist der Kopf immer frei und wird zwischenzeitlich von Mitarbeitern festgehalten, um sie an die Starre zu gewöhnen. Zum »Arbeiten« sind am Stuhl 2 Tasten angebracht, welche die Tiere bedienen müssen. Kontrollgeräte protokollieren die jeweils richtigen oder falschen Antworten und sorgen für die Belohnung in Form eines Tropfen Saftes oder Wassers, der durch einen Schlauch in den Mund des Affen geschossen wird. Die Menge der abgegebenen Flüssigkeit wird kontrolliert.
Beschreibung eines Versuches
Foto: Ärzte gegen Tierversuche
Die Affen gehen »freiwillig« in den Stuhl. Freiwillig, weil sie Durst haben und ihnen der Schlauch, aus dem die Flüssigkeit kommt, vorgehalten wird. Am Tag vor dem Versuch bekommen sie sehr wenig Flüssigkeit und am Tag selbst gar nichts, so dass ihnen nichts anderes übrig bleibt, als in den Stuhl zu gehen.
Der Primatenstuhl wird dann in eine geschlossene dunkle Box geschoben, in der sich ein Monitor befindet. Die Tiere müssen sich Bilder von Obst oder Gemüse einprägen und bei Wiedererkennung die entsprechende Taste drücken. Die Affen arbeiten ununterbrochen, weil sie gierig auf einen Tropfen Flüssigkeit sind.
Der von uns beobachtete Versuch wurde mit einer 9jährigen Rhesusäffin durchgeführt, die noch in der Trainingsphase war. Sie wurde uns als sehr gelehrig beschrieben und sollte eine Woche später operiert werden. Die Äffin konnte den Kopf frei bewegen. Sie »arbeitete« ununterbrochen und wurde über Stunden eingesetzt. Ihre Ergebnisse an diesem Tag waren nicht zufrieden stellend, das bedeutet, dass sie auch wenig Flüssigkeit bekam. Da die Tiere nur solange arbeiten, wie sie »Lust« haben, wird der Versuchsraum sehr warm gehalten, um das Flüssigkeitsbedürfnis zu steigern. Manche Affen sitzen bis zu 6 Stunden ununterbrochen im Stuhl. Der Versuch wurde von einem Mitarbeiter Singers, Matthias Munk, durchgeführt.
Zusammenfassung
Die Haltung der Versuchstiere in diesem Institut ist besser, als die gesetzlichen Bestimmungen es verlangen.
Die Anstellungen der wissenschaftlichen Mitarbeiter, welche die Versuche durchführen - z. B. für die Promotion - sind auf 5 Jahre begrenzt. Dann müssen sie sich ein anderes Arbeitsfeld suchen oder habilitieren, um Lehrtätigkeiten durchzuführen. Dies bedeutet, dass Mitarbeiter wie Kreiter und Munk eigene Forschungen aufbauen - wieder Hirnforschung an Primaten, da sie nichts anderes gelernt haben. So entsteht ein neues Team und diese Forschung breitet sich unaufhörlich weiter aus
Wir alle sind gefordert, diesen Wahnsinn endlich zu beenden!
Der 2002 als Staatsziel ins Grundgesetz aufgenommene Tierschutz muss hier endlich Wirkung zeigen.