15 000 Unterschriften gegen Alkoholversuche an Ratten
Gemeinsame Pressemitteilung
Menschen für Tierrechte –
Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V. und
Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg e.V.
Datum: 26.06.2008
Protest gegen Tierversuche in der Alkoholforschung –
’Versuchstier des Jahres 2008’ soll Tierschutz-Forderung unterstützen
Der Bundesverband Menschen für Tierrechte und sein Mitgliedsverein Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg übergeben heute dem Bundesforschungsministerium 15.000 Unterschriften von Bundesbürgern, die innerhalb eines Jahres gesammelt wurden. Diese sowie das soeben durch den Bundesverband ernannte ’Versuchstier des Jahres 2008’ unterstützen die Forderung der Tierschützer, Tierversuche in der Alkoholforschung nicht mehr zu genehmigen.
15 Jahre tierexperimentelle Alkoholforschung in Deutschland hat keine relevanten Ergebnisse für alkoholkranke Menschen erzielt! So lautet das Fazit zweier wissenschaftlicher Studien, die von den Tierversuchsgegnern Berlin und Brandenburg veröffentlicht wurden (ausgewerteter Zeitraum: 1990 – 2005).
"Für die Tiere sind die Versuche mit ungeheuren Qualen verbunden", weiß Brigitte Jenner, Vorsitzende der Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg, „Ratten werden durch Dauerstress wie Schlafentzug, Isolation von Artgenossen oder Immobilisieren von Körperteilen süchtig gemacht und dann auf Entzug gesetzt.“
Dr. Kurt Simons, Vorsitzender des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte betont: “Wir fordern Investitionen in eine patientenorientierte Medizin. Hierzu gehören tierversuchsfreie, moderne Forschungsverfahren wie das Magnet-Resonanz-Imaging und der Ausbau von Therapieplätzen.“ Erste Ansätze in diese Richtung sind bereits erkennbar, Tierversuche haben deutlich ab- und Humanstudien zugenommen, wie auch das Bundesforschungsministerium auf eine aktuelle Anfrage von Bündnis90/Die Grünen bestätigt.
Um seine Forderungen zu unterstreichen, kürte der Bundesverband die Ratte in der Alkoholforschung zum ’Versuchstier des Jahres 2007’ sowie jetzt auch zum Versuchstier dieses Jahres. Das ’Versuchstier des Jahres’ wird seit 2003 jährlich vom Bundesverband Menschen für Tierrechte ernannt und soll auf das Leid einer bestimmten Tierart im Labor aufmerksam machen.
Informationen: www.versuchstier-des-jahres.de
Gerald Hübner - Mitglied der Tierversuchskommission des Landes Berlin
Das Geld verdient, besser angelegt zu werden!
Alkoholismus ist eine schwere Krankheit und es besteht Forschungsbedarf. Warum der Alkoholkonsum, dem so viele von uns lange Zeit scheinbar ohne Probleme frönen, plötzlich steigt, unkontrolliert wird und schließlich das Verlangen danach alles beherrscht, ist ohne Zweifel nicht nur eine Katastrophe für den Erkrankten, schädlich für die Gesellschaft sondern auch eine wissenschaftlich interessante Frage. Denn offensichtlich passiert in dem alkoholkranken Menschen auch auf der biochemischen Ebene etwas, was man trefflich messen, manipulieren, therapeutisch zu beeinflussen versuchen kann. Und da aus ethischen Gründen vieles am kranken Menschen nicht gemacht werden darf und sollte, macht man nun Tiere, vornehmlich Ratten, zu seinem Stellvertreter. Diese bekommen den Alkohol entweder zwangsweise verabreicht oder aber es werden Versuchsbedingungen geschaffen, bei denen die Tiere „freiwillig“ trinken. Dann kommen Verhaltenstests, der Entzug, erneute Verhaltenstests mit und ohne pharmazeutische Intervention. Diese in immer neuen Variationen beantragten Versuche gibt es noch immer. Sie sind stark belastend für die Tiere. Sie sind trotzdem durch die Tierversuchskommission und durch die Genehmigungsbehörde letztendlich nicht zu verhindern, da sie nach dem Tierschutzgesetz „erlaubten Zwecken“ dienen. Es war eine bemerkenswerte Ausnahme, als vor einigen Jahren ein Berliner Forscher seinen Versuchsantrag aus eigenem Antrieb mit der erstaunlichen Begründung zurückzog, er habe jeglichen Glauben an die publizierten Daten eines anderen Experimentators, auf dessen Vorarbeiten er aufbauen wollte, verloren.
Natürlich zeitigt diese Art Forschung auch Ergebnisse, vornehmlich solche, mit denen die Notwendigkeit einer Fortsetzung der Arbeiten zu begründen ist.
Gibt es nun aber auch Erkenntnisse, die den Kranken in absehbarer Zeit unmittelbar helfen werden? Viel zu selten wird diese Frage gestellt. Wer hat ein Interesse, der tierexperimentellen Forschung diese Bilanz zu erstellen ?
Diese Bilanz erstellt zu haben, ist das Verdienst der vorliegenden Studien: Was bei der Ratte durch Alkoholkonsum biochemisch ausgelöst und welches Verhalten induziert wird, das wissen wir nun schon ganz gut. Wohin die Erkenntnisse letztendlich führen, das bleibt nach all‘ den Tierexperimenten dagegen vage. Die Bundesregierung zumindest ließ verlauten, dass mit den tierexperimentell gewonnenen Erkenntnisen Erfolg versprechende Medikamente wie Acamprosat und Naltrexon entwickelt werden konnten und nunmehr erfolgreich eingesetzt werden würden. Jede Verbesserung ist gut und soll nicht klein geredet werden aber eine vorliegende sog. Meta-Studie an Patienten besagt, dass “bei acht mit Acamprosat oder Naltrexon behandelten Patienten … in einem Fall ein Abstinenzverstoß bzw. Rückfall vorgebeugt werden (kann)“ (www.alkoholsucht.btonline.de).
So bleibt das Ergebnis der tierexperimentell gestützten Alkoholforschung weiterhin ernüchternd, wenn auch nicht im Wortsinne !
Angesichts der vielfältigen Ursachen für das Entstehen des Alkoholismus wird man an einer zeit- und kostenaufwendigen sozialen und psychologischen Betreuung des Kranken nicht vorbei kommen, jedenfalls nicht, wenn man ihm helfen will. Es muss ein therapeutisches Umfeld geschaffen werden, in dem der Alkoholkranke in seinem Wunsch nach Abstinenz bestärkt wird. Diese Hilfe muss wieder in das Zentrum einer humanen, patientenorientierten Therapie gestellt werden. Forschungsgelder, die noch immer reichlich in die tierexperimentelle Forschung fließen, könnten hier einen besseren Zweck erfüllen.